Die Zukunft von

05.02.2015
Wohnen und Mobilität

Die Europäische Union hat ein umfassendes Klima- und Energiepaket für den Zeitraum bis 2030 geschnürt. Zukunftstechnologien in den Bereichen Elektromobilität, nachhaltiger Wohnbau und Smart Grids können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die hoch gesteckten Ziele zu erreichen

Beim EU-Gipfel in Brüssel einigten sich die europäischen Staats- und Regierungschefs im vergangenen Oktober auf ein umfassendes Klima- und Energiepaket, das auch konkrete Ziele bis 2030 vorsieht. So sollen die CO2-Emissionen in den kommenden 15 Jahren im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent gesenkt und sowohl der Anteil erneuerbarer Energien als auch die Energieeffizienz weiter gesteigert werden. Diese ehrgeizigen Ziele lassen sich nur durch vermehrte Anstrengungen in jenen Sektoren erreichen, die neben der Industrie zu den größten Energieverbrauchern zählen und auch zentrale Forschungsschwerpunkte darstellen: Gebäude und Verkehr.

Vom Niedrigenergiehaus zum Plusenergiehaus

In der Europäischen Union entfallen derzeit rund 40 Prozent des Energieverbrauchs auf den Gebäudesektor, weshalb hier auch ein sehr großes Einsparungspotenzial vorliegt. Die Forschung arbeitet an einer Reihe von Zukunftstechnologien, um  die Evolution vom Niedrigenergiehaus über das Nullenergiehaus hin zum Plusenergiehaus weiter voranzutreiben. Eine höhere Energieeffizienz ist zum Beispiel durch die thermische Sanierung bestehender Gebäude, Passivhausstandards bei Neubauten und Einsatz smarter Gebäudetechnik möglich. Der verbleibende geringe Energiebedarf lässt sich aus erneuerbaren Quellen decken, etwa durch verstärkte Integration von Photovoltaikanlagen, Solarkollektoren oder auch Windturbinen in die Fassaden von Wohn-, Büro- oder Industriegebäuden. Diese Plusenergiehäuser werden mehr Energie produzieren als sie verbrauchen und damit auf lange Sicht eine aktive Rolle im Energiesystem übernehmen. So werden die Häuser der nächsten Generation zum Beispiel in der Lage sein, den selbst erzeugten Strom wahlweise ins Netz einzuspeisen, zu speichern oder auch zum Laden des Elektroautos in der Garage zu verwenden.

Elektromobile Zukunft

Denn auch im Bereich Mobilität zeichnen sich in den kommenden Jahrzehnten tiefgreifende Änderungen ab. Im Bestreben, die Treibhausgase aus dem Verkehr drastisch zu senken, will die EU den Anteil konventioneller kraftstoffbetriebener Fahrzeuge im städtischen Verkehr bis 2050 um die Hälfte reduzieren. Erreicht werden soll dieses Ziel vor allem durch den weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs und den konsequenten Umstieg auf Elektromobilität. Sämtliche großen Autohersteller haben bereits mindestens ein Modell mit Elektro- oder Hybridantrieb auf der Straße. Die damit angestrebten CO2-Einsparungen können allerdings nur dann realisiert werden, wenn der Strom für diese Fahrzeuge aus Wind, Sonne, Wasserkraft oder Biomasse gewonnen wird. Die Netze der Zukunft werden daher mit fluktuierender Einspeisung aus erneuerbaren Quellen und einer rasant steigenden Anzahl von Elektroautos als mobile, schwer vorhersagbare Verbraucher konfrontiert sein. Auch hier ist die Forschung gefragt: Infrastrukturplaner benötigen neue Werkzeuge für die Planung von Verteilnetzen, die einen hohen Anteil an erneuerbarer Energie aufnehmen, mit der für die Elektromobilität benötigten Ladeinfrastruktur kommunizieren und gleichzeitig eine hohe Versorgungssicherheit gewährleisten können.

„Um die Klima- und Energieziele für 2030 zu erreichen, ist eine ganzheitliche Sichtweise auf das Energiesystem notwendig, die Mobilität, Gebäude, Industrie, Energieerzeugung und -verteilung einbezieht"

Intelligentes Energiemanagement und Smart Grids

Um die hier beschriebenen Wohn- und Mobilitätsvisionen Wirklichkeit werden zu lassen, ist ein intelligentes Energiemanagement erforderlich – eine Aufgabe, die in Zukunft von Smart Grids übernommen wird. Diese intelligenten, elektrischen und thermischen Netze sind in der Lage, die komplexen Energieflüsse unter Berücksichtigung von Angebot und Nachfrage gezielt zu steuern und zu lenken und bilden damit das Rückgrat der Energiesysteme von morgen. Die Herausforderung wird darin bestehen, die Vielzahl neuer Zukunftstechnologien in den Bereichen Mobilität, Gebäude, Industrie, Energieerzeugung und -verteilung in einer ganzheitlichen Sichtweise in das Energiesystem einzubinden.

Text: Dr. Brigitte Bach

Quelle: [Zukunftstechnologien.at]