Energieintensive Industrie soll an Steckdose

25.12.2014

Im Idealfall hängt die energieintensive Industrie aus Sicht der Klima- und Energiefonds-Chefin Theresia Vogel ab 2050 an der Steckdose mit Strom aus Erneuerbaren statt an Gas oder Öl. Sie werde dann 10-mal so viel Strom wie heute verbrauchen, was auch einen Netzausbau erfordere. Betriebe wie die Voest müssten nicht abwandern, sagen Experten, wenn sie weitgehend CO2-frei arbeiten, was möglich sei.

Für den Linzer Uni-Professor Horst Steinmüller wird es auch in Jahrzehnten noch "eine volle Stahlerzeugung" in Österreich geben - "ob es dann noch Hochöfen gibt, kann ich aber nicht sagen". Was die voestalpine jetzt in Corpus Christi in Texas (USA) vorführe, sei eine Vorstufe zum Umstieg auf Elektroöfen, "ich gehe davon aus, dass das kommt", meinte der Experte vom Energieinstitut der Johannes Kepler Universität am Montag bei einem KliEn-Pressegespräch in Wien. Statt wie heute auch in Corpus Christi Erdgas könnte letztlich elektrolytisch gewonnener reiner Wasserstoff verwendet werden, die Stahlproduktion könnte also CO2-frei werden.

Das Thema "Abwanderung der Industrie aus Energiekosten-Gründen" wird nach Meinung Steinmüllers dann keines mehr sein, "weil ich überzeugt bin, dass sich 2050 aus Erneuerbaren gewonnener Strom auf dem gleichen Preisniveau bewegt wie heute. Wir werden gute Netze haben in Europa. Und wir werden weltweit eine ziemliche Gleichschaltung der Preise haben". Auch andere Industriezweige würden sich umorientieren: In der Petrochemie gehe es ganz stark in Richtung Nutzung der Syntheseleistung von Pflanzen. In der Steine-Erden-Branche, die sich bei der CO2-Reduktion derzeit besonders schwer tue, würden etwa neue Bindemittel anstelle von Zement diskutiert, so der Uni-Professor. Und die Papierindustrie habe wegen der hohen Energiepreise der 1990er Jahre schon selbst umgestellt, viele heimische Werke seien hier schon Benchmarkführer. International, etwa im kohlehungrigen Polen, werde es Richtung Clean Cole gehen, etwa durch CO2-Abscheidung, das dann in Gas oder flüssigen Treibstoff umgewandelt werden könne.

Die energieintensive Industrie mit Eisen/Stahl, Nichteisenmetalle, Papier/Druck, Chemie/Petrochemie, Steine/Erden/Gas ist laut KliEn-Chefin Vogel in Österreich für etwa 20 Prozent des jährlichen Energieverbrauchs verantwortlich, beschäftigt direkt rund 160.000 Menschen und erzielt 13 Mrd. Euro Wertschöpfung pro Jahr. Um diese Betriebe bei der CO2-Reduktion und Energieeinsparung zu unterstützen, hat der Klima- und Energiefonds gemeinsam mit dem Technologieministerium (BMVIT) alle wesentlichen Stakeholder an einen Tisch geholt und einen Forschungs-Fahrplan für diesen Sektor entwickelt, der gemäß den Leitlinien der IEA erstellt wurde und laut Vogel in dieser Form weltweit einzigartig ist. Schon im Jahresprogramm 2015 will man bestimmte Resultate in konkrete Förderprogramme gießen und auch die Entwicklung radikaler Innovationen - sogenannter "Breakthrough Technologies" - unterstützen. Denn bei aktuellen Industrie-Prozessen seien vielfach die technischen Grenzen, auch aufgrund der Naturgesetze, schon ausgereizt, betonte dazu Prof. Steinmüller.

Leo Arpa vom Papierkonzern Mondi, dessen Wurzeln in Österreich bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen, bekannte sich zu den "hochstehenden" Roadmap-2050-Zielen, die eine 80-prozentige CO2-Reduktion bei einer um 50 Prozent höheren Wertschöpfung vorsehen. Um diese Ziele erreichen zu können, müsse "deutlich in F&E investiert werden, denn es gibt einen Gap, der nur mit Breakthrough-Technologien überwunden werden kann".

Größte Herausforderung in seiner Industriesparte sei die thermische Trocknung von Papier, wo es den höchsten spezifischen Energieverbrauch gebe. Daher trachte man schon vor dem Trocknungsvorgang möglichst viel Wasser zu entfernen, ein entsprechendes Projekt führe Mondi am Standort Frantschach in Kärnten durch. Heute müsse im wesentlichen mit heißer Luft getrocknet werden, eventuell lasse sich dafür ein anderes Medium finden, meinte Arpa. Bei den Abläufen gebe man der stofflichen Nutzung den Vorrang, danach folge das Recycling und erst ganz zum Schluss die thermische Verwendung, also Verbrennung, wobei man da die Wärme speziell gebrauchen könne. Durch die stoffliche Nutzung allein gehe die energetische Komponente nicht verloren. Es gehe um Verbesserungen der Nutzungskaskade: "Wir müssen einfach mehr aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz herausholen", steht für den Mondi-Manager außer Zweifel.

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Autor: APA

Quelle: [enerynewsmagazine.at]