Hausfassade „schluckt“ CO2

10.12.2014

Die in Deutschland entwickelte Technologie gilt als Meilenstein im Rahmen der Errichtung von CO2-neutralen Überschuss-Energiegebäuden für die Zukunft. Die erste SolarLeaf-Fassade, die an einem vierstöckigen Wohngebäude im Hamburg (Architekten SPLITTERWERK) realisiert wurde, ist mit einem System ausgestattet, das CO2-Emissionen absorbiert. Dabei werden Mikroalgen gezüchtet, die als erneuerbare Energiequelle Biomasse und Wärme produzieren. Das Umfeld für die Photosynthese wird durch Photo-Bioreaktoren bereitgestellt, die an der südwestlichen und südöstlichen Fassade angebracht sind.

 


Platten-Photobioreaktor

Das Fassadensystem wurde von Arup Deutschland in Zusammenarbeit mit der SSC Strategic Science Consult GmbH und Colt International GmbH mit Fördermitteln der „Initiative ZukunftBau“ entwickelt. Es wurde nun als Siegerprojekt der Kategorie „Applied Innovations“ des zumtobel group award ausgezeichnet.

Die SolarLeaf-Fasade macht sich den biochemischen Prozess der Photosynthese für energieeffizient Gebäude und Gebäudecluster zunutze. Das System hat drei wesentliche Vorteile:

 O Generierung hochwertiger Biomasse für Energiezwecke oder als Ressource für die Lebensmittel- und die pharmazeutische Industrie (Urban Farming);

  • Erzeugung von solarer Wärmeenergie;
  • Einsatz als dynamische Beschattungsvorrichtung.

Die Züchtung von Mikroalgen in flachpaneelförmigen Photo-Bioreaktoren erfordert keine zusätzliche Flächennutzung und ist von den Witterungsbedingungen weitgehend unabhängig, was die Installation im urbanen Umfeld ermöglicht. Eine Abscheidevorrichtung erntet die Algenbiomasse automatisch. Der zur Ernährung der Algen benötigte Kohlenstoff wird aus einem Verbrennungsvorgang in der Nähe der Fassadenanlagen gewonnen, um einen kurzen Kohlenstoffzyklus zu implementieren. Damit wird verhindert, dass Kohlenstoffemissionen zum Klimawandel beitragen.

Die entwickelten Bio-Reaktoren erfassen außerdem die solare Wärmeenergie mit einer Effizienz von etwa 50 Prozent. Die Wärme wird mittels Wärmetauschern extrahiert, und die Temperaturniveaus der überschüssigen Wärme können durch Einsatz einer Wärmepumpe erhöht werden, um das Gebäude mit Warmwasser zu versorgen oder zu heizen bzw. die Wärme geothermisch zu speichern.

Quelle: [umweltschutz.co.at]