Speichertechnologie

25.01.2015
Kleine Selbsthilfe

Strom zu speichern ist derzeit en vogue. In Österreich laufen verschiedene Förderprogramme, in Hamburg gibt es ein zweites Leben für Batterien aus E-BMWs und in Schwerin wurde „Europas größter kommerzieller Strom-Speicher“ in Betrieb genommen.

„Die Förderung läuft gewaltig“, wird Gerhard Dell geradezu euphorisch, wenn er über die seit Anfang September laufende Förderaktion für Lithium-Ionen-Batterien berichtet. „Wir freuen uns und sind positiv überrascht; es war der richtige Zeitpunkt und das richtige Thema, wahrscheinlich auch die richtige Fördersystematik“, schwärmt der Energiebeauftragte des Landes OÖ. „Wir haben in der ersten Tranche bereits 229 Anträge bekommen und Herr Landesrat (Rudi Anschober, Anm.) hat bereits die nächste Tranche angekündigt.“ Gut eine Million Euro Fördergelder stehen in dieser ersten Tranche zur Verfügung und die höchstmögliche Förderung beträgt 4.800 Euro pro Anlage. KeinWunder also, dass der erste Topf innerhalb kurzer Zeit leer war. Gefördert werden ausschließlich LithiumIonen-Akkus, und zwar mit 800 Euro pro Kilowattstunde Nennkapazität oder maximal 50 Prozent der Brutto-Anschaffungskosten. Maximal sechs kWh Nennleistung werden gefördert. Das Interesse ist riesig: Bei der Tagung „Solarstrom-Speicher/Speicherung von selbst erzeugtem Photovoltaik-Strom in Privathaushalten“ Ende September registrierte der Veranstalter Energiesparverband rund 450 Besucher. In der dazu aufgelegten Broschüre wird vorgerechnet, dass Endkunden dank der 50-prozentigen Förderung die Nutzung des eigenen gespeicherten PV-Stroms nur mehr 18,7 Cent pro kWh gegenüber 16 Cent für verkauften und als Netzstrom wieder bezogenem Strom kostet.

Ob die angestrebte Steigerung des Eigenverbrauchs von PV-Strom von durchschnittlich 30 bis 40 Prozent auf 70 Prozent oder mehr den Anlagenbesitzern nutzen kann, ist fraglich. Fix ist dagegen, dass die Versorger davon profitieren, dass die Netzspitzen reduziert werden. Und die öffentliche Hand muss weniger für Einspeisevergütungen ausgeben. Vielleicht also nutzen die Investitionen in Haus-Batterien am Ende nicht jenen, die viel Geld dafür auf den Tisch legen.

Auch das Land Salzburg hat seit Mitte Februar eine PV-Speicherförderung. Maximal 5.600 Euro werden hier pro Anlage ausbezahlt. „Ende November läuft die Fertigstellungsfrist ab“, erklärt Ernst Haigermoser. 39 Anlagen seien nach einer Auswahl beantragt worden, 36 würden errichtet und „einige sind schon fertig“, sagt der im Land Salzburg für die Speicher-Förderung Verantwortliche. 200.000 Euro seien dafür budgetiert. „Auf den ersten Blick schaut das nach eher wenigen Anträgen aus, aber erstens gilt die Förderung nur für Private – Gewerbebetriebe fallen in ein anderes Ressort – und zweitens haben wir die Notstrom-Funktion bei Netzausfall aus Sicherheitsgründen unterbunden“, relativiert Haigermoser.

In der Steiermark endete die „Ausschreibung zur Förderung von speicherunterstützten Photovoltaikanlagen zur Eigenverbrauchsoptimierung“ am 6. Oktober. Bedient werden dort Private und das Gewerbe. Ebenfalls verlängert wurde die Initiative „Mehr Sonnenstrom für mich/Optimierungsperspektiven für Eigenstromverbrauch“ des Bundesverbandes Photovoltaic Austria, nachdem der Klima- und Energiefonds der Ausschreibung beigetreten ist. Auf der 12. Österreichischen PV-Tagung Anfang November in Linz steht das Thema „Speichersysteme“ ebenfalls auf dem Programm.


Deutscher Mega-Akku

Eine ganz andere Dimension als die bisher erörterten Batterien mit fünf oder sechs Kilowattstunden stellt „Europas größter kommerzieller Strom-Speicher“ dar, der Mitte September im ostdeutschen Schwerin eingeschaltet wurde: Eine Batterie mit fünf Megawattstunden Speicherkapazität. 25.600 langlebige Lithium-Ionen-Zellen sollen die durch Wind- und Sonnenstrom verursachten Stromschwankungen ausgleichen und binnen Sekundenbruchteilen ihre Leistung abgeben. Damit habe der MegaAkku das gleiche Ausgleichspotenzial wie eine konventionelle 50-MW-Turbine, sagt das mecklenburgische Energieunternehmen Wemag, das die Anlage betreibt. Entwickelt wurde der Großspeicher von der Berliner Younicos, untergebracht ist er in einem turnhallengroßen Gebäude neben einem Umspannwerk. Von den sechs Millionen Euro Kosten hat der Bund 1,3 Millionen Euro übernommen. Mit diesem kraftwerksunabhängigen Speicher sei man Vorreiter, erklärte Wemag-Vorstand Thomas Pätzold. Und auf dem Regelenergiemarkt will die Wemag mit der MonsterBatterie auch Geld verdienen. Wenn die österreichischen Fördergeber ihr Speichergeld zusammenlegen würden, ließen sich auch hierzulande einige solcher Großbatterien installieren. Die Privaten würden dann aber nicht mitzahlen.

Text: Hannes Ch. Steinmann

Quelle: [a3 Building Technologies/ Solustions, 10.2014, Seite88-89]