Weniger Verkehr durch nachhaltigen Konsum

01.12.2014

Ein nachhaltiges Konsumverhalten verringert den Verkehr. Um dies zu fördern, müssen Güterlogistik und Herkunftsbezeichnung der Produkte verbessert und die Nahversorung stärker gefördert werden, fordert der VCÖ.

Rund 30 Prozent der in Österreich transportierten Güter sind Konsumgüter, das sind mehr als 140 Millionen Tonnen pro Jahr, macht der VCÖ aufmerksam. Rund 80 Prozent der Konsumgüter werden mit dem Lkw transportiert. "Wenn im Einkaufskorb mehr regionale und saisonale Produkte sind und auf die Langlebigkeit der Produkte geachtet wird, wird das Verkehrsaufkommen verringert", fasst VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen die VCÖ-Publikation zusammen.

Regionalität verringert den Transportaufwand. Weintrauben aus Apulien haben einen rund 31 Mal längeren Transportweg nach Wien als Weintrauben aus der Region Neusiedlersee. Inklusive Anbau verursachen die Weintrauben aus Apulien mit rund 600 Gramm CO2 pro Kilogramm Trauben doppelt so viele Treibhausgase wie die burgenländischen Trauben, macht der VCÖ aufmerksam. Wenn die Trauben aber im Supermarkt am Ortsrand mit dem Auto gekauft werden, entstehen bei einer zehn Kilometer langen Autofahrt mit 2,6 Kilogramm CO2 vier Mal so viele CO2-Emissionen wie anteilsmäßig beim Transport aus Apulien und sogar acht Mal so viele wie beim Transport vom Neusiedlersee.

Die VCÖ-Publikation zeigt, dass die Verkehrsmittelwahl wesentlich vom Standort des Geschäfts abhängt. Zu einer Supermarktfiliale, die sich am Ortsrand von Purkersdorf befindet, kommen 92 Prozent der Einkaufenden mit dem Auto, zur Filiale der gleichen Kette im Ortskern sind es nur 34 Prozent. Bei zentral gelegenen Filialen in Wien ist der Autoanteil noch geringer, bei diesen Filialen kommen 60 bis 90 Prozent der Kundinnen und Kunden zu Fuß.

Umfragen zeigen, dass der Bevölkerung regionale Produkte wichtig sind. Doch derzeit gibt es keine verbindliche Regelung, was unter "regional" zu verstehen ist. So stammt ein großer Teil der Schweine, die zum "Regionalprodukt" Parma-Schinken verarbeitet werden, von Großmästereien aus dem Osten Deutschlands. Für Rindfleisch gibt es Kennzeichnungsvorgaben, jedoch nicht wenn Rindfleisch verarbeitet wird und der Anteil weniger als die Hälfte beträgt, etwa bei gemischtem Faschiertem. Der VCÖ fordert, dass die Gütesiegel um den Transportweg ergänzt werden.

Der VCÖ fordert eine verkehrsparende Raumordnung, die die Nahversorgung fördert und den Bau neuer Einkaufszentren am Ortsrand verhindert. Zudem sind bestehende Einkaufszentren an den Öffentlichen Verkehr anzuschließen und für Großparkplätze eine Parkplatzabgabe für die Betreiber einzuführen.

Viel Verkehr verursacht auch die Müllentsorgung. Österreich verursacht pro Kopf 25 Kilogramm Elektroschrott pro Jahr, um rund ein Drittel mehr als im EU-Schnitt. Zudem landen jedes Jahr große Mengen an noch essbaren Lebensmitteln im Müll. "Viel Müll heißt auch viele weggeworfene Kilometer", so VCÖ-Expertin Rasmussen. Der VCÖ fordert auch im Sinne des Konsumentenschutzes Maßnahmen, die die Langlebigkeit von Produkten fördern. Bei der Energie- und Umweltbilanz ist nicht nur der Betrieb, sondern auch die Herstellung zu beachten. Bei Waschmaschinen verursachen Herstellung und Transport rund die Hälfte des gesamten ökologischen Fußabdrucks. Und die Produktion eines Diesel-Pkw verursacht im Schnitt so viel CO2, wie beim Fahren von 39.000 Kilometer emittiert wird - so viel fährt ein durchschnittlicher Diesel-Pkw in zweieinhalb Jahren.

Ein weiterer Aspekt des Konsums: Tiertransporte. EU-weit werden jährlich mehr als 360 Millionen Tiere lebend transportiert. Aufgrund der fehlenden Kostenwahrheit beim Lkw-Verkehr werden die Tiere oft nicht zum nächstgelegenen, sondern zum billigeren Schlachthof transportiert. Die Folge ist nicht nur mehr Lkw-Verkehr, sondern auch eine größere Qual für die Tiere. Derzeit dürfen internationale Lebendtiertransporte bis zu 30 Stunden lang dauern, erst nach 14 Stunden ist eine Pause vorgeschrieben. Schweine dürfen sogar 24 Stunden durchgehend transportiert werden. Der VCÖ fordert, dass in der EU die Lebendtiertransporte auf maximal acht Stunden beschränkt werden.

Durch eine verbesserte Logistik können Lkw-Fahrten verringert werden, etwa durch die Bündelung von Transporten. Damit sich Investitionen in die Logistik rechnen, braucht es aber auf EU-Ebene Maßnahmen für mehr Kostenwahrheit im Verkehr.

Ein großes Potenzial zur Vermeidung von Lkw-Fahrten gibt es in Städten, betont der VCÖ. Mit Hilfe von Güterverteilzentren können Transporte gebündelt werden. Die Feinverteilung in den Innenstädten kann schadstofffrei mit Elektro-Transporten erfolgen. Auch für Lastenfahrräder gibt es in Städten ein großes Potenzial. Der boomende Online-Handel erhöht zudem den Bedarf an neutralen Paketstationen, bei denen Pakete von allen Zustelldiensten abgeholt werden können. Zudem setzt sich der VCÖ für ein Umweltgütesiegel für Transportdienste ein. Bei Online-Shops soll neben einer Express-Zustellung auch eine klimafreundliche Zustellung auszuwählen sein.

Die VCÖ-Publikation "Weniger Verkehr durch nachhaltigen Konsum" gibt es unter www.vcoe.at zum Download