Wohnen bewegt Menschen

15.02.2015

Ist das Fahrrad zur Hand, die nächste Haltestelle naheliegend oder steht nur das Auto vor der Tür? Welches Verkehrsmittel jemand nutzt, wird stark durch den Wohn- und Siedlungsbau sowie das Wohnumfeld geprägt.

Vier von fünf Wegen beginnen oder enden in der eigenen Wohnung. Ob sich jemand zu Fuß, mit dem Rad, öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto auf den Weg macht, hängt wesentlich von der Wohnsituation und dem Wohnumfeld ab. Beschränkt sich die Verknüpfung von Mobilität und Wohnen auf den Bau von Parkplätzen, ist die Autonutzung naheliegend. Wer nur parkende und fahrende Autos sieht, wird auch ins Auto steigen. Stehen, wie etwa beim „Wohnprojekt Wien“ am ehemaligen Nordbahnhof-Gelände, die Fahrräder durch einen großen, hellen, ebenerdigen Rad-abstellraum im Mobilitätsmittelpunkt, wird deutlich mehr mit dem Rad gefahren. Wird der Wohnbau entlang der Linien und um Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs entwickelt und verdichtet, wird der Öffentliche Verkehr verstärkt genutzt. Werden bereits, wie bei den Verträgen zwischen der Stadt Graz und Wohnbauunternehmen, bei der Planung von neuen Wohnungen umweltfreundliche Mobilität berücksichtigt und Maßnahmen zu ihrer Stärkung vereinbart, wird die Mobilität der dort wohnenden Menschen in den Fokus gerückt. Wenn in Vorarlberg die Wohnbauförderung Fahrradabstellplätze, Anschlüsse für Elektro-Autos und Carsharing belohnt, ist das ein Schritt zur Mobilitätsvielfalt. In bestehenden Siedlungsstrukturen und Stadtvierteln wird durch Verdichtung des Wohnbaus an vorhandene multimodale Mobilitätsstrukturen angeknüpft und diese werden gestärkt.

Mobilitätssanierung ist nötig

Seit dem Jahr 2008 muss in Österreich jedes Haus bei Verkauf einen Energieausweis haben. Die durch den Wohnstandort ausgelöste Mobilität – eine Hauptursache des mit dem Wohnen verknüpften Energieaufwandes – bleibt dabei unberücksichtigt. Mobilitätssanierung von Gebäuden, die umweltfreundliche, multimodale Mobilität fördert, ist aber ebenso wichtig wie Energiesanierung.

Gebäude stehen Jahrzehnte, Straßen und Plätze werden langfristig gestaltet. Begegnungszonen, Radabstellanlagen, Bäume, begrünte Fassaden, Sitzmöglichkeiten, Trinkbrunnen – die Lebendigkeit und Mobilität in Städten und Gemeinden wird sehr stark durch die Aufenthaltsqualität geprägt. Dass sich die Mobilitätsansprüche der dort Lebenden wandeln, ist bereits heute zu berücksichtigen. Alle Akteurinnen und Akteure – Wohnbauunternehmen, Stadtplanung, Handelsbetriebe, Mieterinnen und Mieter – müssen Verantwortung für die von Gebäuden ausgelösten Verkehr übernehmen und ihn gemeinsam zukunftsfähig gestalten.

Quelle: [vcoe.at]